1954

Die Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft (AWG) – Das Genossenschaftsmodell der DDR

 

Der genossenschaftliche Wohnungsbau hat in Deutschland eine lange Tradition. Bereits in der Mitte des  19. Jahrhunderts kam es vor allem in Norddeutschland zur Gründung erster genossenschaftlicher Wohnungsunternehmen. In der frühen DDR war genossenschaftlicher Wohnungsbau zunächst kein Thema – trotz der prekären Wohnraumlage in der Nachkriegszeit. Erst die Unruhen um den 17. Juni 1953 führten zu einem Politikwechsel in der DDR. Die Erhöhung des Lebensstandards  der Bevölkerung wurde offiziell zu einem bestimmten Politikziel erklärt. Neben der Ankurbelung der Konsumgüterproduktion kam vor allem der Intensivierung des Wohnungsbaus eine entscheidende Rolle zu. Dazu war man sogar bereit, neben der staatlichen auch eine zweite Form des Wohnungsbaus zuzulassen: Den genossenschaftlichen Arbeiterwohnungsbau.

Am 11. Dezember 1953 wurde die „Verordnung über die weitere Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter und der Rechte der Gewerkschaften“ veröffentlicht, in der erstmals die Gründung von Arbeiterwohnungsgenossenschaften (AWG) erlaubt wurde. Im Frühjahr 1954 folgten weitere Gesetze, die unter anderem die Organisationsstrukturen, die finanziellen Rahmenbedingungen und die Versorgung der neuen Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften mit geeigneten Baugrundstücken regelten.

Danach setzte eine regelrechte Gründungswelle von Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften in der gesamten DDR ein. In der nur kurzen Zeit zwischen 1954 und 1958 entstanden insgesamt etwa 740 Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften. 1954 wurden allein in Berlin 14 Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften, wie die AWG „Neuer Kurs“, die AWG „Berliner Bär“ und die AWG „Johannisthal“ gegründet. Zu einer Hochburg des Arbeiterwohnungsbaus wurde die Stadt Brandenburg. Hier entstanden 1954 insgesamt 3 Genossenschaften, unter anderem die „BRAWOG“.

 

 

Trotz der vielen AWG-Gründungen war der Zulauf zu den Genossenschaften anfangs gering. Die intensive Werbung – wie hier mit einer Broschüre des FDGB – und schließlich die Fertigstellung der ersten AWG-Häuser führten zu einem starken Anwachsen der Mitgliederzahlen der Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften.

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